Montag, 30. Januar 2017

Infonomics: the new economics of information

Von Ralf Keuper

Bei Infonomics handelt es sich um eine relativ neue "Wissenschaftsdiziplin". Im Kern geht es darum, einen Rahmen zu definieren, mit dem sich der ökonomische Wert der Daten bzw. der daraus gewonnen Informationen bestimmen lässt. 

Intensiv mit der Thematik beschäftigt hat sich in der Vergangenheit Doug Laney von Gartner, wie in Applied Infonomics: Why and How to Value Your Information as an Asset oder in Infonomics. the new economics of information

Ansätze, die den Wert der Informationen für Unternehmen thematisiert haben, gab es schon vorher, wie Paul Königer und Walther Reithmayr in Management unstrukturierter Informationen, Haim Mendelson  und Johannes Ziegler in Organisations-Intelligenz IQ. Innovatives Informationsmanagement für das 21. Jahrhundert und ganz allgemein im Rahmen der Balanced Scorecard in Form des Informationskapitals. 

Infonomics nun erhebt den Anspruch, die Teildisziplinen, wie Informationsmanagement und Data Governance, zu vereinen und um eine ökonomische Interpretation zu ergänzen, d.h. Informationen als Vermögenswerte, die sich bilanzieren lassen, auszulegen. 

Die Hauptprinzipien lauten nach Laney: 
  • Information is an actual asset; Information has both potential and realised value
  • Information's value can be quantified
  • Information should be internally accounted for
  • Information's net realized value should be maximized 
  • Information's value should be used to help prioritze and budget IT 

Freitag, 27. Januar 2017

Data Sharing und Datenmonetarisierung im Banking

Von Ralf Keuper

Das Thema Data Sharing steht bei Banken und Fintech-Startups gleichermaßen auf der Tagesordnung, wenngleich mit unterschiedlicher Akzentuierung. Im Vergleich zu den Banken sind die Fintech-Startups offensiver - durch PSD2 erhoffen sie sich weiteres Geschäftspotenzial. Beispielhaft dafür ist die Gründung einer Interessengruppe amerikanischer Fintech-Startups, darunter Affirm und Betterment, mit dem Ziel, auf die Daten der Nutzer durch die Verwendung Offener Schnittstellen (Open APIs) zugreifen zu können, worüber in Fintech companies form lobbying group focused on data sharing berichtet wird. Die Startups argumentieren bzw. werben damit, den Kunden die Hoheit an ihren Daten verschaffen zu wollen und ihnen so bessere Services anbieten zu können. 

Bei den Banken wird das mit einigem Argwohn betrachtet. Im vergangenen Jahr entbrannte ein Streit zwischen Bank of America, Wells Fargo und J.P. Morgan Chase auf der einen und Datenaggregatoren wie Mint, Quicken und Xero auf der anderen Seite. Die Banken werfen den Startups vor, die Sicherheit der Kundendaten nicht genügend zu berücksichtigen, was von den Startups bzw. den Datenaggregatoren als haltlos zurückgewiesen wird. 
Wie aktuell in J.P. Morgan, Intuit Give Mint, TurboTax Customers Wider Access to Bank Data berichtet wird, haben J.P. Morgan und Intuit ihren Streit beigelegt.  Lesenswert in dem Zusammenhang ist Why the JPM-Intuit partnership is a big step for data sharing.

Bei den Banken setzt allmählich ein Umdenken ein. Wenn sie in der Datenökonomie gegen die großen digitalen Ökosysteme wie Google, Apple, facebook, Samsung und Alibaba bestehen wollen, dann müssen sich sich intensive Gedanken darüber machen, wie sie ihren "Datenschatz" monetarisieren können, ohne jedoch in den Verdacht zu geraten, nach denselben Prinzipien zu verfahren wie die sog. Datenkraken, .d.h. eifrig Kundendaten zu sammeln, um daraus Profile zu erstellen, die dann an die Werbeindustrie weiterverkauft werden. Die neuen datenschutzrechtlichen Bestimmungen wie die GDPR und ePrivacy setzen diesen Ambitionen ohnehin enge Grenzen. Künftig wird die Nutzung der Daten für gewerbliche Zwecke nur noch mit expliziter Zustimmung der Kunden möglich sein. 

Eine Bank, die zeigt, wie es gehen könnte, ist die südafrikanische Nedbank mit Market Edge.

Ein weiteres Beispiel ist die Marketing Plattform Yoyo bobs des Fintech-Startups Yoyo. 

Banken könnten, wie es in Resharing of personal data set to become the new apping heisst, die Rolle eines Trusted Service Providers, einer Clearingstelle für die Digitalen Identitäten und Credentials der Kunden übernehmen. 

Da scheint aber noch einiges an Überzeugungs- und Öffentlichkeitsarbeit nötig, insbesondere auf Seiten der Fintech-Startups. Laut einer aktuellen Studie von Equifax ist das Thema Open Banking und damit das Teilen der Daten, zumindest in Großbritannien, für die überwältigende Mehrheit der Kunden unbekannt. Das überrascht um so mehr, da das Open Banking von der britischen Regierung in den letzten Jahren recht offensiv beworben wurde. 

Crosspost von Bankstil 

Donnerstag, 26. Januar 2017

Data Economy: Ein kurzer Wochenrückblick #KW4

Von Ralf Keuper 

Anbei eine Liste von Meldungen, die mir in dieser Woche besonders ins Auge gefallen sind:

Dienstag, 24. Januar 2017

Eckpunkte einer Datenmonetarisierungsstrategie

Von Ralf Keuper

Dass Daten einen ökonomischen Wert repräsentieren, ist mittlerweile weitestgehend unbestritten. Genauer gesagt sind es erst die analytischen Verfahren, die Sinn in die Daten bringen und aus Daten Informationen machen. Ein Unternehmen kann auf einem Berg aus Daten sitzen und doch nur wenig neue Erkenntnisse gewinnen, sei es für interne Zwecke (Kosten, Fehlerquote, Kundenzufriedenheit ..) oder um das externe Umfeld (Markt, Technologie, Wissenschaft .. ) besser einschätzen zu können. 

Um diesem Dilemma zu begegnen, können Strategien für die Datenbewirtschaftung, sog. Datenmonetarisierungsstrategien, von großem Nutzen sein. 

Ein guten Einstieg bietet Framing a data monetization winning strategy von KPMG. Darin werden vier Geschäftsmodelle für die Datenmonetatrisierung vorgestellt:
  • Return On Advantage Model (Customer Targeting und Risk Mitigation and Fraud Detection)
  • Premium Service Model
  • Differentiator Model
  • Syndication Model 
Weiterhin werden zwei Werttreiber identifiziert:
  • Performance Contributions
  • Predictive Contributions
Vier Bereiche, die es bei der Datenbewirtschaftung besonders zu beachten gilt:
  • Aggregation 
  • Triangulation (Technique that facilitates validation of data and verifying insights through cross-verification from two or more sources)
  • Frame of Reference
  • Privacy Preservation (This dilemma is treated as only as "transactional" driven opportunity. Broadening your view may help discover high value opportunities with reduced risks)
Weitere Beiträge, die sich mit Strategien der Datenmonetarisierung beschäftigen:
Auf einer groben Ebene lassen sich die Innen- und die Außenperspektive unterscheiden. Sollen die Daten für interne Zwecke verwendet werden, u.a. um die Produktivität zu steigern und/oder sollen die Erträge in Form höherer Kundenbindung, steigender Verkaufszahlen und Marktanteile realisiert werden? Das dürfte je nach Branche und Unternehmen variieren. Internetkonzerne verfolgen hier zunächst andere Ziele als Hersteller von Investitionsgütern, obgleich hier, wie das Beispiel Google-Nest zeigt, die Grenzen verwischen. Telcos stehen vor anderen Herausforderungen als Banken. Wichtig erscheint mir der Hinweis darauf, Daten nicht nur transaktionsbezogen zu behandeln. Hinzu kommt die Beziehungsebene - Relationship. Anderenfalls werden kurzfristige Profite langfristigen, dauerhaften Vorteilen, wie höhere Kundenbindung/Markentreue, geopfert. 

Banken dürften sich schwer damit tun, die Daten ihrer Kunden so zu verwerten, wie das Google und facebook mit großem Erfolg praktizieren - ganz abgesehen von den datenschutzrechtlichen Restriktionen wie GDPR und ePrivacy. Insofern muss die Datenmonetarisierungsstrategie entsprechend ausfallen.

Ein wichtiger Punkt für alle Anbieter dürfte das Permission Based Marketing bzw. das Consent Based Data Sharing sein. Wie lässt sich die Zahl der Kunden, die ihr Einverständnis für die Verwertung ihrer Daten gegeben haben, steigern? Wie soll der Ertrag aufgeteilt oder ausgezahlt werden? Welche Mehrwertdienste können gegen Entgelt angeboten werden? 

Mit in die Betrachtung hinein gehört auch die Entwicklung einer API-Strategie, wofür Snapchat und Hazard Hub exemplarisch sind:

Data Market Austria

Von Ralf Keuper

In Österreich ist Ende vergangenen Jahres das Leitprojekt Data Market Austria an den Start gegangen, worüber in Projekt will neue Geschäftsmodelle mit Daten aufzeigen berichtet wurde.
Zur Zielsetzung heisst es auf der Homepage:
Das Data Market Austria Projekt etabliert ein Daten-Services Ökosystem in Österreich durch die Schaffung einer deutlich verbesserten Technologiebasis für sichere Datenmärkte und Cloud-Interoperabilität und die Etablierung eines Daten-Innovationsumfeldes.

Valuing Personal Data framework

Von Raf Keuper 

Am vergangenen Freitag hat das World Economic Forum den Report Valuing Personal Data and Rebuilding Trust vorgestellt. Der Report enthält die Ergebnisse einer Untersuchung, in der Personen zu ihrem Verhalten beim Umgang mit ihren personenbezogenen Daten und ihr Vertrauen gegenüber den Unternehmen, die mit ihren Daten arbeiten, befragt wurden.

Im Zentrum der Analyse steht das Valuing Personal Data Framework: 

Kernbotschaft: Digital identity, digital personae, digital footprints and derived data are the key building blocks of an individual’s personal data 

Ziel: Valuing Personal Data has emotional and economic value to individuals and monetary value to businesses.

Sonntag, 22. Januar 2017

Vom Wert der Unternehmensdaten

Von Ralf Keuper

Dass mit der Verbreitung der Industrie 4.0 auch der Wert der Unternehmensdaten in das Blickfeld gerät, ist keine besondere Erkenntnis. Dennoch ist es verwunderlich, dass vielen Unternehmen der Wert ihrer Daten und damit auch deren Schutzbedürftigkeit noch relativ gleichgültig ist oder besser: noch nicht bewusst ist.

Ganz gleich, ob die Industrie 4.0 die Ausprägung annehmen wird, wie einige ihrer Propheten meinen, so gehört keine allzu große prognostische Fähigkeit dazu, von einer wachsenden Vernetzung der Unternehmen mit anderen, wie auch mit weiteren externen Partnern (Kunden, Behörden, Medien) auszugehen, was nicht nur Vorteile mich sich bringt. Zum jetzigen Zeitpunkt sind noch zahlreiche Punkte, was die Datensicherheit in der Industrie 4.0 betrifft, offen. Um von den Vorteilen profitieren und die Risiken auf ein vertretbares Maß reduzieren zu können, ist es, so u.a. Martin Baumhaus in Das Gold der post-industriellen Gesellschaft nötig, sich den Wert und die Schutzbedürftigkeit der eigenen Unternehmensdaten ins Bewusstsein zu rufen und in die Abläufe und Unternehmenskultur zu integrieren.

Hierfür schlägt Baumhaus die Einteilung der Daten in vier Kategorien vor:
  • Produktionsvorausgehende Informationen, wie z.B. Unterlagen für Patentanträge, Konstruktionszeichnungen, Business Cases, Bau- und Projektpläne
  • Produktionsbegleitende Informationen, wie Qualitäts-, Mess- und Steuersignale, Logistik, Kunden- und Lieferantenverträge
  • Produktionserweiternde Informationen, wie sie in den Digitalisierungsstrategien anfallen
  • Administrative und organisatorische Daten, die aus dem Betrieb heraus entstehen und oft u.a. personenbezogene Daten von Mitarbeitern oder externe Daten enthalten.
Es ist nicht so, dass dieses Problem in der Industrie unbekannt ist, und noch keine Maßnahmen ergriffen wurden. Beispielhaft ist hier die Initiative Industrial Data Space vom Fraunhofer Institut unter Mitarbeit einiger namhafter Unternehmen.

In der Konsequenz läuft alles auf die Einrichtung eines Risikomanagements für die Daten als Vermögenswerte in den Unternehmen hinaus. Hier stehen wir erst am Anfang. Wichtige Elemente werden dabei Verschlüsselungstechnologien sowie der Aufbau einer eigenen oder die Beteiligung an einer gemeinsam betriebenen sicheren digitalen Plattform sein. Letztere sorgt für den Schutz der Daten im Netz im Sinne einer Daten-Bank, einer Bank für Daten. Sie übernimmt die sichere Verwahrung der digitalen Vermögenswerte sowie das Clearing.

Freitag, 20. Januar 2017

Data Economy: Ein kurzer Wochenrückblick #KW3

Von Ralf Keuper 

Anbei eine Liste von Meldungen, die mir in dieser Woche besonders ins Auge gefallen sind:

Donnerstag, 19. Januar 2017

Aktueller Stand ePrivacy

Von Ralf Keuper

Vor wenigen Tagen wurde der offizielle Stand der ePrivacy-Konsultationen bekannt gegeben. Datenschützer bemängeln, dass der Stand vom 10. Januar gegenüber der letzten (geleakten) Veröffentlichung im Dezember den Forderungen der Werbewirtschaft zu stark nachgegeben habe. Eine besonders gute Zusammenfassung des aktuellen Diskussionsstand liefert ePrivacy-Novelle: EU-Kommission bleibt beim Datenschutz auf halber Strecke stehen. Im Gegensatz zu den älteren Fassungen ist von Privacy by Design jetzt keine Rede mehr.

Jedoch:
Der Kommissionsvorschlag enthält in Art. 8 zudem ein klares Verbot des Third-Party-Trackings durch Cookies, Webbeacons oder Fingerprinting-Methoden. Kritischer Punkt ist jedoch auch hier das Einverständnis der Nutzer. Die bereits im November-Leak enthaltene Vorgabe, dass Einverständnis und Widerspruch zum Tracking durch Drittparteien durch bestimmte Einstellungen in der genutzten Software signalisiert werden können, ist in Art. 9 erhalten geblieben. Der von der Tracking-Industrie bislang bewusst ignorierte Do-Not-Track-Standard im Browser müsste zukünftig also beachtet werden – ein Gewinn für digitale Selbstbestimmung. Eine weitere positive Neuerung in diesem Bereich ist, dass Unternehmen verpflichtet werden sollen, Nutzer auf deren Wunsch alle sechs Monate daran zu erinnern, zu welcher Datenverarbeitung sie ihr Einverständnis gegeben haben.
Der Vizepräsident des Bundesverbandes der Digitalen Wirtschaft, Thomas Duhr, sieht die ePrivacy-Verordnung kritisch:
Diese Verordnung stellt etablierte und von den Verbrauchern akzeptierte Geschäftsmodelle in Frage und negiert fundamentale Prinzipien der Digitalen Wirtschaft. Das Internet, wie wir es heute kennen, wird es damit nicht mehr geben.

Der Verein Digitalcourage hat bereits angekündigt, gegen die seiner Meinung nach Aufweichung der ePrivacy-Regelung mobil zum machen: ePrivacy: Mehr Datenschutz nötig bei Tracking, Cookies und Messengern.

Die technische Umsetzung, wie die Einholung der Zustimmung, ist technisch durchaus anspruchsvoll: Developers think new ePrivacy proposal removes consent requirements - they are wrong.
Many developers think this now means they don't have to serve banners asking users to accept cookies and other tracking technologies but what this actually means is that developers must check for a host of signals from the browser to detect whether or not consent has been given and if they do not honor such signals they will be liable for fines of 20M Euros or upto 4% of the previous year's global revenues. No such penalties existed under the current ePrivacy Directive.
Das könnte für die Werbewirtschaft noch ein echtes Problem werden. Der Bedarf an technischen Lösungen, die compliant sind und den Unternehmen die Arbeit abnehmen, mit entsprechender Beratung wird steigen. 

Dienstag, 17. Januar 2017

Aktuelle Entwicklungen Digital Advertising (Adtech, Martech, Programmatic)

Von Ralf Keuper

Das Unternehmen AudienceScience, einer der Pioniere im digital advertising, ist erneut gezwungen, Mitarbeiter zu entlassen. AudienceScience versucht durch Programmatic Advertising gegenzusteuern: Digital advertising company AudienceScience cuts jobs amid shift in business

Der Digital-Chef von Fox, Joe Marchese, überrascht mit der Aufforderung an die Nutzer, Ad Blocker einzusetzen: Fox’s digital ad boss wants you to use an ad blocker

Nach Ansicht des Chefs der Medienplattform Quartz, Jay Lauf, sind Medien, die auf Einnahmen aus digitalen Werbebannern angewiesen sind, nicht vom Aussterben bedroht: Ad-Supported Digital Media Isn’t Dying, Says Quartz President

Da man bei Quartz mit der Qualität und den Streuverlusten gängiger Ads und Intermediäre nicht einverstanden war, beschloss man einen anderen Weg zu gehen. Statt mit Kanonen auf Spatzen zu schießen, habe man sich bei Quartz für einen fokussierten Ansatz entschieden:
“We don’t necessarily need 100 million or 200 million unique users to be successful. We are laser-focused on trying to serve the global business professional…that is what attracts, I think very successfully, a loyal advertising base,” he said.”
Quartz attracts an audience of around 20 million unique users on a monthly basis, Mr. Lauf said, but believes publications without a focused audience strategy could have problems.
Fazit: 

Der Trend im Digital Advertising verläuft momentan in Richtung höhere Datenqualität, Verringerung der Streuverluste und Ausschaltung/Umgehung von Zwischenhändlern, die zwar über große Datenmengen und ausgebaute Distributionskanäle verfügen, die aber nicht mehr ausreichend sind, um gezielte Werbung schalten zu können, die den Nutzer nicht abschreckt, sondern zum Kauf oder Weiterklicken anregt. Erschwert wird diese Situation noch durch die neuen Datenschutzbestimmungen wie GDPR und ePrivacy. Selbst wenn sie nicht in der befürchteten Form umgesetzt werden, sind die Zeiten des Gießkannenprinzips im digital advertising vorbei.

Montag, 16. Januar 2017

Mehr Datensouveränität mit Blockstack, Solid und Sovrin?

Von Ralf Keuper

Seit einigen Jahren beschäftigen sich zahlreiche Forschungsprojekte mit der Frage, wie das Internet um einen identity layer ergänzt werden kann. Bis zu dem Zeitpunkt, an dem diese Verarbeitungs- bzw. Zugriffsschicht etabliert ist, bleibt die Datensouveränität der Nutzer Utopie. 
Für viele ist die Blockchain-Technologie, nicht zuletzt wegen ihres dezentralen Charakters, besonders gut geeignet, um die Rolle des identity layers auszufüllen. Beispielhaft dafür sind Projekte bzw. Lösungen wie Enigma oder Backstack. Über letztere Lösung berichtet der Beitrag One Startup’s Vision to Reinvent the Web for Better Privacy
Über die Vorzüge der Lösung heisst es darin u.a. :
Later this year, Blockstack will release software that lets you surf sites and apps created for this new digital domain using your existing Web browser. You will still be able to load sites by clicking links or typing Web addresses, perhaps to find places to chat with friends or go shopping. But instead of needing to create accounts with each site, as people do with Google or Facebook, users of sites built on Blockstack’s system will control their own digital identity (or identities). To use a site that needs your information, you will grant access to a profile under your control alone. If you want to stop using a service, you can revoke its access to your profile and data and take it elsewhere.
Als Technologie-Plattform setzt Blockstack, wie bereits erwähnt, die Blockchain ein:
Blockstack’s vision is made possible by an identity system built to be independent of any one company, including the startup itself. It uses the digital ledger, or blockchain, underpinning the digital currency Bitcoin to track usernames and associated encryption keys that allow a person to control his or her data and identity. A collective of thousands of computers around the globe maintains the blockchain, and no one entity controls it.
Kritiker wenden ein, dass die Blockchain bei Rechtsstreitigkeiten, u.a. beim Urheberrecht, an ihre Grenzen stossen könnte. Auch ist die Verarbeitungsgeschwindigkeit der Blockchain noch nicht so hoch, dass Systeme mit hohem Transaktionsvolumen von den Vorzügen der Blockchain profitieren. Die Verfechter der Blockchain-Technologie entgegnen darauf hin für gewöhnlich, dass die technischen Restriktionen mit der Zeit behoben werden können. 

Ebenso wie Backstack arbeitet Tim Berners-Lee mit seinem Projekt Solid an einer ähnlichen Lösung. Erst kürzlich erhielt das Projekt eine Förderung in Höhe von 1 Mio. Dollar durch Mastercard, worüber in Web inventor Tim Berners-Lee's next project: a platform that gives users control of their data berichtet wird. Zu den Systemeigenschaften heisst es:
.. “Solid,” a system for building decentralized social applications using what the researchers call a “linked-data” platform. Solid is customizable and easy to scale, relying as much as possible on existing web standards. Like multiuser applications, applications on Solid talk to each other through a shared filesystem – and, in this case, that filesystem is the entire World Wide Web.
Datensouveränität ohne Abstriche ist das erklärte Ziel von sovrin. Vorlage sind die Laws of Identity, wie sie von Kim Cameron im Jahr 2005 formuliert wurden. Beim Lesen des Whitepaper The Inevitable Rise of Self-SovereignIdentity stellt sich für mich die Frage, ob das Projekt nicht ein wenig überambitioniert ist -  und das nicht nur mit Blick auf die nötigen technischen Grundkenntnisse, die beim Nutzer scheinbar vorausgesetzt werden.

Zum jetzigen Zeitpunkt sind Lösungen, wie die in dem Beitrag erwähnten, ihrer Zeit noch zu weit voraus. Die Systemvoraussetzungen, sowohl technischer, ökonomischer wie auch kultureller Art, sind m.E. noch nicht gegeben. Bis dahin könnten Lösungen aus dem Umfeld der Personal Information Management Systems eine Brücke sein. Auf lange Sicht halte ich die Wahrscheinlichkeit für hoch, dass Lösungen, wie Backstack breite Akzeptanz finden.  


Samstag, 14. Januar 2017

Data Economy: Ein kurzer Wochenrückblick #KW2

Von Ralf Keuper 

Anbei eine Liste von Meldungen, die mir in dieser Woche besonders ins Auge gefallen sind:

Freitag, 6. Januar 2017

Display Advertising Basics - Pete Kluge (Adobe)

Data Economy: Ein kurzer Wochenrückblick #KW1

Von Ralf Keuper 

Anbei eine Liste von Meldungen, die mir in dieser Woche besonders ins Auge gefallen sind:

Donnerstag, 5. Januar 2017

Die unbekannten Datenkraken

Von Ralf Keuper

Für gewöhnlich werden mit dem Begriff "Datenkraken" die großen Internetkonzerne wie Google, facebook, Amazon und Apple assoziiert. Zwar ist diese Zuordnung nicht falsch, jedoch lenkt sie die Blicke von den eigentlichen Datenkraken ab, die über einen Datenbestand verfügen, auf den auch Google & Co. (noch) nicht verzichten wollen. Gemeint sind Acxiom, Datalogix und Intelius. Im Paper Research on Identity Ecosystem heisst es dazu:
  • Acxiom: The biggest name in town. This global marketing and information management company has databases that include data on 126 million households and 190 million people in the US, and about 500 million active consumers worldwide through 23,000 servers with 1,500 data points. Acxiom is headquartered in the US with offices in the UK, France, the Netherlands, Germany, Poland, Portugal, China, Australia and New Zealand and processes data from over 150 countries. Acxiom has about 6,000 employees worldwide and a global annual revenue of nearly $1.3 billion. Its current chief product and engineering officer, Phil Mui, developed Google Analytics, and the company also partners with Facebook to develop solutions to improve the reliability of our digital personas even when part of our data is incorrect or missing.
  • Datalogix: Part of Oracle Data Cloud, is a consumer data collection company founded in 2002 that manages loyalty card data, connecting offline purchasing data to digital media to improve audience targeting and measure sales impact. This firm aggregates and provides insights on over 2 trillion US dollars in consumer spending to deliver purchase-based targeting. Over 650 customers (mainly advertisers and digital media publishers) use Datalogix, including Facebook and Google.
  • Intelius: Founded in 2003, it specialises in public records information. They offer services to consumers and businesses, including background checks, screening services, people search, customer solutions, public records, criminal check, e-mail lookup and identity theft protection. The company has access to many of the world's most extensive databases and public record repositories, gathering billions of public records annually from a multitude of government and professional entities and assigning them to more than 225 million unique people. Intelius services 300 million monthly requests for access to its databases. In addition to retrieving historical and current data, Intelius leverages proprietary genomic technology to identify connections between people, places and things.