Dienstag, 21. Februar 2017

Wem gehören die Daten?

Von Ralf Keuper

Die Frage, ob Personen oder Unternehmen das exklusive Recht an ihren Daten für sich beanspruchen können, wird seit längerer Zeit kontrovers diskutiert. So plädierte EU-Kommissar Günter Oettinger vor einigen Monaten für ein Bürgerliches Gesetzbuch für Daten. Demgegenüber warnt Bundesinnenminister Lothar de Maizière vor einem überzogenen Datenschutz. Das Privateigentum an Daten ist für ihn eine Form des Protektionismus, und damit quasi wettbewerbsverhindernd. Der Minister warnt jedoch vor einem Ausverkauf der Privatsphäre, wovon in erster Linie die ökonomisch schwächeren Bürgerinnen und Bürger betroffen sein könnten. Der Schutz der Privatsphäre dürfe kein Luxus sein. Informativ und ausgewogen ist das Interview Wem gehören Personendaten? mit Maximilian Becker 

In seinem Kommentar zu den Aussagen des Innenministers stellt Eckehard Kraska fest, dass die Diskussion ohne klare Definition dessen, was Daten und was Informationen sind, in die Irre führt. 

Das Institut für IT-Recht (IITR) hat dazu ein Video produziert:


Mitschrift:

Daten 

  • Daten sind an Materie gebunden und damit körperlich
  • Daten liegen im Universum in analoger Form vor 
  • Analoge Daten lassen sich in digitale Daten umwandeln
  • Digitale Daten lassen sich verarbeiten, speichern und transportieren. Dazu sind Daten wiederum an Materie gebunden

Information

  • Information gehört zu Sphäre der Wertung
  • Information setzt ein wertendes Bewusstsein voraus
  • Information ist auf das Vorhandensein des Menschen beschränkt
  • Information ist körperlos

Fazit: 

Der Datenbegriff ist sinnvoll nur im naturwissenschaftlichen und damit auch technischen Umfeld anwendbar. Von Informationen sollten wir immer dann sprechen, wenn ein bewertender Vorgang vorliegt, der an das Vorhandensein eines menschlichen Bewusstseins gebunden ist. Der Informationsvorgang ist alleine dem Menschen vorbehalten.

Problemstellung:

Beide Sphären greifen im Alltag ineinander über. Wir transferieren Inhalte menschlicher Bewertung in die Sphäre der Naturwissenschaft, indem wir Daten in Informationen umwandeln, um diese einer Datenverarbeitung zugänglich zu machen.

Forderung: 

Die Bedeutung der Begriffe Daten und Information präzisieren, um diese rechtlich verbindlich zu machen, um Gesetze, Regelungen und die gesellschaftliche Verständigung zu verbessern.

Nur was folgt daraus für die Frage nach dem Eigentum an den Daten? Wird das Eigentum an den Daten von dem Eigentum an Informationen übersteuert oder ist es dem übergeordnet? Muss das Recht auf Informationelle Selbstbestimmung ergänzt werden? Können tatsächlich nur Menschen Daten bewerten? Was ist mit Algorithmen und Entscheidungssystemen, Künstlicher Intelligenz, was ist mit dem Bereich der Semantischen Analyse? 

Nach Gregory Bateson ist Information das, was einen Unterschied macht. Ökonomisch betrachtet, würde die Informationen einen zusätzlichen Wert schaffen. Wem fällt dieser Wert zu? Allein demjenigen, der die Information erzeugt hat, oder auch demjenigen, der die Daten geliefert hat? Wenn beispielsweise Unternehmen die Kundendaten in ihren Systemen speichern, verwalten und analysieren, erzeugen sie damit Informationen und damit einen Wert. Gehört dieser Wert dem Unternehmen? Was ist, wenn der Kunde die Herausgabe seiner gespeicherten Daten, z.B. bei einer Bank, verlangt? Die Bank könnte ein Entgelt für die Kosten der Datenhaltung und Aufbereitung sowie für die Transformation der Daten in Informationen fordern. Ist dieser Kostenpunkt in den Gebühren bereits enthalten? Im Umkehrschluss müsste der Lieferant für seine Daten ebenfalls ein Entgelt erhalten. Maßstab dafür könnte sein, wie sich die Daten verwerten, ob sich interne Verfahren oder die Produktentwicklung verbessern lassen. Was ist aber, wenn der Lieferant nicht nur Daten, sondern auch Informationen mit bringt? Wie erfolgt da die Verrechnung? 

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